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Schlaatemerbach im Fokus – Auftakt mit spannendem Rundgang und der Bachsuite

Der Schlaatemerbach stand am 30. Mai im Zentrum einer besonderen Auftaktveranstaltung des «Heimatschutz Schaffhausen» und des «Museum Schleitheimertal» unter dem Motto «Unser gross(artig)er Bach – Wasser und Bach beleben die Ortsmitte».

Wie auf der Website der Gemeinde Schleitheim zu erfahren ist, wählte Heimatschutz Schweiz Schleitheim als diesjährige «Schoggitaler-Gemeinde» aus. Unter dem offiziellen Motto «Altstädte und Ortskerne» steht dabei der historische Dorfkern im Mittelpunkt, welcher massgeblich vom Schlaatemerbach geprägt wird. Ziel der diesjährigen Initiative ist es, diesen wertvollen Lebensraum aufzuwerten und für die Bevölkerung sowie für Gäste neu zu beleben. Der erste von drei Anlässen dazu fand am vergangenen Samstag statt.

Treffpunkt war um 14 Uhr unter den vor der Sonne schützenden Schirmen bei der «Krone» – mitten im Dorf. Peter Müller vom Heimatkundeverein Schleitheim freute sich, rund achtzig Interessierte begrüssen zu können. «Alle kennen den Schlaatemerbach als ruhiges, romantisches Bächli», bemerkte er einleitend, fügte aber an, dass der Bach auch anders kann, und erinnerte an die Hochwasser von 1999 und 2016 sowie an die schlimmste und hoffentlich letzte Überschwemmung im Jahr 2021. Die laufenden Schutzvorkehrungen haben das Ziel, die Zone am Bach aufzuwerten, damit in die ihr stehenden Häuser am Bach wieder Leben einzieht. «Die Gemeinde Schleitheim ist bestrebt, die Bevölkerung in den Prozess miteinzubeziehen und die Erhaltung des Dorfbildes zu gewährleisten», erklärte Müller und wies darauf hin, dass die meisten Häuser im Dorfkern nach dem grossen Dorfbrand im Jahr 1747 erbaut wurden. Peter Müller informierte, dass der Heimatschutz miteinbezogen wurde und kündigte dessen Vertreter Hans-Georg Bächtold an, der durch den Nachmittag führte. Mit grossem Bedauern teilte Peter Müller mit, dass eigentlich auch Willi Bächtold als Referent und bester Kenner der Schleitheimer Geschichte hätte dabei sein sollen. Leider war es ihm nicht mehr vergönnt, denn er verstarb zwei Tage zuvor. «Mit ihm verliert nicht nur der Heimatkundeverein, sondern ganz Schleitheim eine prägende Persönlichkeit. Willi – wir werden Dich vermissen», würdigte Peter Müller das Schaffen von Bächtold.

Köbi Gantenbein und das Bachorchester bei der Bachsuite an der Eberlibrücke

Köbi Gantenbein und das Bachorchester begeistern mit der Bachsuite bei der Eberlibrücke. (Bild: sim)

Nicht nur aus rot-schwarzen Augen sehen

Müller bedankte sich beim Heimatschutz Schaffhausen für die Organisation des Anlasses und machte auf die Möglichkeit aufmerksam, die Sicht einmal nicht nur «aus rot-schwarzen» Augen zu sehen, bevor er das Wort an Hans-Georg Bächtold übergab.

Zunächst gedachte er Willi Bächtold, der seit 1977 sein Weggefährte in der Randenvereinigung war. Hans-Georg Bächtold wies auf den Platz vor der «Krone» hin: «Der Platz hier steht als Aufbruch in der Ortsmitte. Da, wo sich der Schlaatemerbach, begleitet von zwei Strassen, durch das ganze Dorf mit der Achse durch das Kirchengeviert zur Villa Aida kreuzt, ist ein zentraler Ort.» Es sei eine Seltenheit, dass ein Bach durch das ganze Dorf fliesst. Schleitheim sei ein Dorf, wo es viele Schönheiten zu entdecken gebe. Dabei zeigte er auf die Fassade der «Brauerei», aber auch auf die «Krone».

Bächtold wies auf drei Zahlen hin: 1747, als die grosse Feuersbrunst in Schleitheim ausbrach und viele Gebäude ein Raub der Flammen wurden. 1748 steht an vielen Häusern, weil diese unmittelbar nach dem Brand wieder aufgebaut wurden. 1785 – ein paar Jahre später – erliess der Amtsmann von Konstanz die Ordnung, man dürfe im Untergeschoss kein Holz mehr verwenden, weil kein Holz mehr vorhanden war. 1819 durften sogar beide unteren Geschosse nicht mehr aus Holz erstellt und bis zum Schluss durfte nur noch das Dach aus Holz gebaut werden. «Das waren ganz einfache Bauregeln, an die man sich hielt. Ich hoffe, dass die Gemeinde Schleitheim auch in Zukunft mit ein paar einfachen Regeln die Ortsmitte schön, attraktiv und lebendig erhalten kann», so Bächtold.

Das «Schoggitalerprojekt»

Anstoss zu den Veranstaltungen gab das «Schoggitalerprojekt» des Heimatschutzes, führte Bächtold aus und erinnerte an die Schoggitaler, die seit 1946 verkauft werden. «Das Rezept für die Schoggi ist aber nicht mehr dasselbe wie damals», schmunzelte er und machte Werbung für eine Mitgliedschaft beim Heimatschutz oder mindestens dafür, möglichst viele Schoggitaler zu kaufen.

In Gruppen unterwegs

Anschliessend machten sich die Interessierten mit Mitgliedern des Heimatschutzes Schaffhausen und Fachpersonen in fünf Gruppen auf einen spannenden Rundgang. Von Hannes Luz erfuhr man Interessantes zum «Kätterli-Huus», Matthias und Julia Uehlinger zeigten einen gelungenen Bau einer Wohnung im Haus «Bollinger», Claudia Eimer und Katharina Müller nahmen mit auf einen Rundgang durch die historischen Räume der «Brauerei», Hans-Georg Bächtold zeigte das Haus «Im Hof» mit seinen Besonderheiten, und Paul Both liess Ideen spielen für das kleine Tuffsteinhaus an der unteren Brücke. Immer wieder blieb Zeit für kurze Einblicke und Gespräche. Es stellte sich nicht nur einmal die Frage, wie die Häuser am Bach künftig gestaltet werden und wie viel Einfluss die Verantwortlichen der Denkmalpflege haben sollen.

Fulminanter Auftritt von Köbi Gantenbein und seinem Bachorchester

Im Anschluss an die interessanten Führungen verlagerte sich das Geschehen zur Eberlibrücke. Dort installierten sich der Erzähler und Mitmusiker Köbi Gantenbein und sein Bachorchester mitten im Bach zum Libretto «Bachsuite». Die «Bachsuite» war eine ebenso poetische wie humorvolle musikalische Inszenierung zu Ehren des Schlaatemerbachs. Erzähler Köbi Gantenbein führte durch eine vielschichtige Geschichte des Wassers – von der idyllischen Quelle über zerstörerische Hochwasser bis hin zu römischer Badekultur, Täuferbewegung und moderner Wasserbaukunst. Begleitet wurde er vom Bachorchester mit Alice Heri (Pauke), Rita Muster (Violine), Lilly Reisch (Akkordeon), Hepl Caprez (Trommel), Roland Eberle (Tuba), Werner Fessler (Saxophon), Heini Fümm (Posaune und Arrangements), Köbi Gantenbein und Christian Vetsch (Klarinette) sowie Peter Muster (Flügelhorn).

Musikalisch reichte die Palette vom eigens komponierten Walzer «Oh Schlaatemer Bach» über das Klezmerstück «Oh holder Bach, Du lust'ge Wucht» bis hin zu «An Wasserflüssen Babylon» von Johann Sebastian Bach. Auch leichtere Stücke wie der «Wassergalopp», der «Dotterblumentango» oder der «Maientanz der Libellen» unterstrichen die Szenen zwischen Naturidylle, Hochwasserdramatik und augenzwinkernder Dorfgeschichte. So entstand ein lebendiges Portrait des Baches als Naturkraft, Lebensraum und kulturelles Gedächtnis von Schleitheim. Wer den Text des Librettos nachlesen möchte, findet ihn auf www.schleitheim.ch.

Apéro bei der «Krone»

Die zahlreichen Besucherinnen und Besucher verschoben sich anschliessend wieder zum Ausgangspunkt bei der «Krone». Dort wurden Eindrücke ausgetauscht, der Apéro genossen und die Vorfreude auf den nächsten Anlass geteilt.

Die nächsten Anlässe

Der nächste Anlass zum Thema findet am Samstag, 27. Juni statt. Treffpunkt ist wieder um 14 Uhr bei der «Krone». Dann gibt es eine Führung zu ausgewählten Gebäuden, eine Diskussion zur Mobilisierung des Bestandes und Beispiele von gelungenen Umbauten. Um 16 Uhr gibt es einen Apéro bei der «Krone».

Die letzte Veranstaltung wird am Samstag, 22. August, um 14 Uhr durchgeführt. Treffpunkt ist das Gasthaus Brauerei am Gemeindehausplatz 1. Dann gibt es einen Immobiliennachmittag, einen Workshop «Jung kauft Alt», eine Leerstandsbörse, Wohnlotsen – zusammen mit Schaffhauser Immobilienunternehmen, Gewerbe Schleitheim, Banken, Architekten und Ingenieurinnen. Die Veranstaltung endet mit einem Apéro um 16 Uhr.

Bitte beachten Sie auch die Website www.schlaatemerbach.ch.